Seminar für angewandte Unsicherheit

Aus Bildungswiki

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Fr 23.10.09 Kameraspaziergang Friedrichshain

16 Uhr - Warschauer/Revaler Str (vor der Sparkasse)

Das Seminar für angewandte Unsicherheit [SaU] führt durch das kameraüberwachte und quartiers-gemanagte Friedrichshain. Wir wollen einerseits auf die ausufernde Überwachung aufmerksam machen, die in diesem Bezirk vor allem von kleinen Läden und Kneipen ausgeht. Andererseits wollen wir uns anschauen, welche - ordnungs- und sicherheitspolitischen - Auswirkungen die „Aufwertung“ des Süd-Kiezes hat, die unter anderem durch das hiesige Quartiersmanagement betrieben wurde (vor allem rund um den Boxhagener Platz). Aber auch welche Rolle alternative(re) Projekte in der Struktur des Viertel spielen. Wie immer werden wir uns auch die „Überwacherperspektive“ anschauen, da die hier besonders häufig unverschlüsselt gesendeten Videobilder mit einfachsten Mittel empfangen werden können...

Treffpunkt: 16 Uhr Warschauer/Revaler Str (vor der Sparkasse)

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Veranstaltungsreihe: "Der Neue Mensch"

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Das Seminar für angewandte Unsicherheit ist eine überwachungskritische Gruppe, die seit 2001 Veranstaltungen und Aktionen gegen Überwachung und Disziplinierung organisiert.

Das Seminar für angewandte Unsicherheit [SaU] veranstaltet im Mai/Juni/Juli 2009 eine Reihe zur Kritik der so genannten Lebenswissenschaften. Hier das vorläufige Programm:

  • Körper versus Demografie. Von den Ambivalenzen der Kategorie Geschlecht in der Biopolitik
  • Was bedeutet die Gesundheitskarte?
  • Medizinisierung von Kindern als Selbstentmächtigung am Beispiel ADHS
  • Gebärzwang und Gebärstreik. Die Wiederkehr der Demographie in der neuen Familienpolitik
  • „ich lustlos bin, ist das schon gefährlich“ - Die Sorge um Depressivität als neoliberale Regierungstechnologie
  • Gesundheit - Migration - Krankheit - Tourismus - Drei Beiträge zur politischen Logik der Infektion
  • Kriminologie und Genetik, DNA-Analyse und das Kriminalitätsgen

Desweiteren werden wir thematisch passende Filme zeigen und diskutieren.

Die genauen Termine und den Veranstaltungsort findet Ihr im Laufe der nächsten Wochen auf unserer Homepage.

Wir sind eine offene Gruppe und treffen uns im Semester an jedem Donnerstag Nachmittag im sbz krähenfuss im Hauptgebäude der Humboldt Uni.

Join your local [SaU]!


Termine, Ort, Infos und Kontakt: http://www.sau.net.ms

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Vom Menschenrecht zur Biopolitik

Einst schützte das Grundgesetz ein Staatsverständnis, in dem individuelle Menschenrechte nicht vom Staat „gewährt“ wurden, sondern der Person vor aller staatlichen Gewalt und Gewähr „angeboren“ waren. Das waren selige Zeiten. In Zeiten, in denen die Biowissenschaften, die einst ein kärgliches Dasein am ungenauen Ende der ansonsten sogenannten "exakten" Naturwissenschaften gefristet haben, sich zu Leitwissenschaften gemausert haben, sind den Menschen vielmehr Gendefekte oder Frontallappenverformungen angeboren. Diese unterstellen ihnen "sozial auffälliges", "regelwidriges" oder gewalttätiges Verhalten. Wenn es hier um Rechte geht, dann darum, dass "gesunde" Bürger_innen ihr Recht einfordern, vom Staat vor der Gefahr geschützt zu werden, die von ihren Mitbürger_innen ausgehen soll.

"Gesunde und Kranke", "Gute und Gefährliche"

Tatsächlich fordern bereits einige Neurophysiolog_innen, dass Kinder, bei denen ein bestimmter angeborener Frontallappendefekt festgestellt wurde, unter besondere staatlich Beobachtung gestellt werden sollten. Bei ihnen könne ein höheres Risiko der Straffälligkeit angenommen werden. An diesem drastischen Beispiel soll deutlich gemacht werden, dass eine Umdefinition stattfindet, die aus einer (menschen-)rechtlichen Frage eine Frage nach Gesundheit und Krankheit macht. Menschen werden in zwei Gruppen aufgeteilt: In eine "gesunde" Gruppe, die vor der anderen, der "kranken", geschützt werden muss, wogegen letztere höchstens vor sich selbst geschützt wird.

Ähnliches findet statt, wenn die "guten" Muslime von den "gefährlichen" getrennt werden sollen, oder – im Bereich des "Menschenrechts auf Asyl" - "Ausländer die uns (!) nützen" von den "Ausländern die uns ausnutzen" unterschieden werden. Es geht folglich nicht um Rechte, die allen zukommen. Es geht darum, dass in der Aufteilung „normal“ und „pathologisch“ beide Gruppen gegeneinander ausgespielt werden. In einem ersten Schritt werden dabei den pathologischen Fällen nach und nach ihre Rechte aberkannt, um "Sicherheitsmaßnamen" einzuführen, die mit diesen Rechten nicht zu vereinbaren wären. In einem zweiten Schritt werden diese Sicherheitsmaßnahmen dann auf alle angewandt, da man nicht von vornherein wissen könne, wer denn nun zu welcher Gruppe gehört.

Überwacht werden also alle. Die Rasterfahndung bezieht alle Muslime mit ein (natürlich NUR die, die männlich sind, in einem gewissen Alter, mit einer bestimmten Ausbildung usw.), das Asylverfahren wird insgesamt verschärft. Und überhaupt: "Wer gesund ist, ist nur nicht richtig untersucht"! Gerade zu diesem Zweck werden immer wieder neue "Krankheitsbilder" entworfen, die sozial unerwünschtes Verhalten medizinisch pathologisieren (vgl. ADHS, aber auch die gute alte Kleptomanie).

Gute Gründe, sich die sogenannten Lebenswissenschaften genauer anzugucken...


AVV/Winter0910

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