Kamera Arschloch

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Inhaltsverzeichnis

"Freispruch"

Am 14.07.08 fand vor dem Landgericht Berlin, die letzte Verhandlungveranstaltung gegen einen Aktivisten statt, der im August 2005 auf der Demo "Das Leben ist kein Ponyhof" einen Polizisten mit den Worten "Kamera-Arschloch" beleidigt haben soll. Nach 2 Instanzen und insgesamt 4 Terminen traute sich endlich der mittlerweile vom Dienst suspendierte und angeblich betroffene POM Breninek, auf die Gerichtsbühne um in schwungvoller Lustlosigkeit seine Nichtversion der Geschehnisse darzustellen. Am Ende stand der Freispruch, eine Statistik der Lebenszeitverschwendung und die Frage: Wo ist Kummerlöw (schreibweise unbekannt)?

Endlich, nach unzähligen Aufführungen und zahlreichen Ankündigungen schaffte es der "betroffene" Polizeiobermeister Breninek auf die Bretter die das Gericht bedeuten, vom Lampenfieber gezeichnet bewegte er sich noch kurz vor der Aufführung untriebig auf den langen, hohen Fluren der Berliner Landgerichts-Einschüchterungsarchitektur. War die Betroffenenrolle doch bis zu diesem Zeitpunkt eine Statistenbesetzung und tauchte bisher nur am Rande auf,sollte er nun seinen großen Auftritt haben. Die "Betroffenen-Monologe" in der zweiten Verhandlungsaufführung, der zweiten Instanz zum Prozesstheater "Kamera Arschloch".

"Er war schwer zu kriegen" so der Vorsitzende Richter Holldorf am Landgericht, aber es lohnte sich. Der, aus dem Theaterstück nicht ablesbaren Gründen, suspendierte POM Breninek ging in seiner Rolle des Desinteressierten vollständig auf, ein Paradebeispiel für die Darstellung der neuen, sachlichen Lustlosigkeit. Poetisch Sätze wie: "Ja, da war mal was." oder "Ich glaube Willy-Brandt-Haus." oder "Kann mich nicht mehr richtig erinnern." wanderten sinnlich über seine Lippen und wurden durch die schlaffe, sich hängen lassende Körperhaltung betont. Man sehnte sich als Zuschauer geradezu nach einer Hängematte und einem kühlen Drink. Großartiges, kurzes, prägnantes und prägendes Intermezzo.

Nach diesem fulminanten Auftritt des Zeugen, hatte der Rechtsanwalt dem ganzen nichts mehr hinzuzufügen und konnte ohne großen Schnörkel übergehen in sein Plaedoyer, welches sich in der Rezeption des Publikums recht einfach zusammenfassen läßt: Nichts(Videoband) und Niemand (Zeuge POM Ponikau in der letzten Auführung) hatten etwas gesehen, was durch den überwältigend Elan von Keine Lust (POM Breninek) nur bestätigt wurde. Womit die schändliche Beleidigung "Kamera Arschloch" nicht zuordenbar wäre, und selbst wenn, stünde doch die beantwortete Frage im Raum, "Sind Kameras beleidigungsfähig? Nein!". Dem schloss sich die Staatsanwaltschaft an und hatte nichts hinzufügen.

So konnte doch endlich Das Letzte Wort des Angeklagten gesprochen werden, hier versagte jedoch der Angeklagte in der Rolle des Angeklagten, und erhält nur die Lesenote: Stümperhaft. Ein wenig mehr Übung hätte sicher geholfen, der doch recht interessante Monolog litt hierrunter und wird daher nochmal am Ende dieser Kritik seine ihm gebührende Stellung erhalten.

Gelungen ist den Schreiberinnen des Stücks das Einbauen des Abspanns kurz vor dem Stückende, so wurde doch durch den Angeklagten zusammengefasst, wer alles am Stück beteiligt war und ist. Dies geschah in Form einer Lebenszeitverschwendungs-Statistik in der alle Mitspieler aufgelistet wurden, auch wenn die Rezipienten hier schon das Gefühl haben mußten, daß einige Akteure vergessen worden sind. Der Vollständigkeit halber wird sie der unten abgebildeten Rede des Angeklagten hinten angestellt.

Nun war es eigentlich an der Zeit, daß die "Imagination Volk" , ums mit Angeklagtenworten zu sagen, durch den Richter die "Imagination Recht" spricht.

Aber was war das, erneut ein geschickter Werbegag der Stückeschreiberinnen, versteckte sich doch in den Worten des Richters die Ankündigung für ein neues Stück.So verkündete er kurz vor Urteilsspruch "Ich möchte sie noch darauf hinweisen, das ein Herr Kummerloef (schreibweise unbekannt), von der 14. Einsatzhundertschaft bei mir angerufen hat um mir zu vermitteln, das eine Verurteilung besonders wichtig wäre. Er wies dabei auf Veröffentlichungen auf de.indymedia.org hin."

Großartige Ankündigung für das Stück "Wo ist Kummerloew (schreibweise unbekannt)?".

Das Publikum konnte nun mit aller Zufriedenheit das Urteil geniessen, versichert, daß sie durch weitere Episoden der Reihe "Theatralik in der Berliner Justiz und Polizei" beglückt werden. Es folgte nach nun dreijähriger theaterpädagogischer Beschäftigungstherapie der Freispruch und das Publikum konnte nun im Anschluss angeregt über das Neue Stück "Wo ist Kummerloev (schreibweise unbekannt)?" spekulieren.

+ Kamera Arschloch - Abschlussrede des Angeklagten +
+ Kamera Arschloch - Abschlussstatistik aus der Rede +
+ Kamera Arschloch - Zum Verhalten der Polizei(unreleased) +
+ Dieser Artikel - Veröffentlicht und Kommentiert unter Kummerloews Lieblingsseite +

"Finale Grande ... notes annexes virtuelle"

Aufgrund der großen Kartennachfrage wurde ein Zweittermin für das Teilstück Akt III angesetzt. Um die Anreize für Wiederholungsgänger zu erhöhen, wurde das Stück kurzerhand noch am Morgen der letzten Aufführung umgeschrieben. Der Zeuge Brenninek in der Rolle des Betroffenen und Beleidigten POM Breninek erlitt eine Sommergrippe oder Rückenleiden oder ähnliches und konnnte am Stück leider nicht teilnehmen, so die offizielle Meldung für das anwesende Publikum.

Der Zeuge POM Ponikau jedoch behauptete sich in Akt III (a) in der Rolle Ponikau als Koryphäe in der Darstellung von Widerspruch, Nebenwiderspruch und Nebennebenwiderspruch. "Er trug ein Transparent"... "Dann trug er eben doch kein Transparent." . Faszinierend. Ein Könner der theatralisch mephistophelischen Dialektik.

Am Ende des Stückes entpuppte sich die Abwesenheit des POM Breninek als geschickte Marketingstrategie des Team Staatsanwaltschaft um einer erhöhten Aufführungsnachfrage des Stückes nachzukommen, die in einer einfachen Aussage mündete ... "Der Staatsanwaltschaft reicht es nicht, sie möchte POM Breninek anhören.". Mit wohlwollender Zustimmung reagierte das Publikum, und wurde erst jetzt durch diesen geschickten Schachzug darauf hingewiesen: Der angeblich Betroffene wurde noch nie erhört!

Das Publikum hätte es wissen müßen, das Theaterstück ist ein virtuoses Spiel mit Virtuellem, das Videoband war doch ein eigentlich unübersehbarer Vorbote hierfür, wurde es doch schon im ersten Akt "Kamera-Arschloch - DIE I. Instanz" eingeführt, um zu beweisen: ES IST KEIN TÄTER ZU SEHEN!

In allen bisher aufgeführten Stücken verschwand die Rolle des POM Breninek aus den Augen des werten Betrachters, tauchte er doch nur als stummer Statist in "DIE II. Instanz a-dur" im Frühjahr 2007 auf, um dann wieder als Phantom bei Gerichte zu verschwinden. Das Publikum gelangt erst jetzt zu der augenöffnenden Erkenntnis: er führte bisher nie den im angedeuteten Drehbuch vorgesehenen Dialog in den heiligen Amtshallen.

Kamera-Arschloch - DIE II. Instanz - Akt III (b)

- Die Betroffenen-Monologe -
14.July 14:00
Landgericht Berlin Tiergarten
Turmstr. 91 (Moabit)
Saal 704

weitere Kritiken:
"Wasch doch!" Über Bären ohne Bleichmittel und Haflinger-Schimmel. Eine Theaterrezension.
http://www.indymedia.org/de/2008/06/909029.shtml

Theaterrezension. Die Kritik einer Kritik.
http://de.indymedia.org/2008/06/221107.shtml

"Kamera-Arschloch" - DIE II. Instanz

(Mo. 30.Juni.2008 um 11:15)
Berlin
Landgericht Tiergarten
Turmstr. 91
Saal 704

Endlich, es ist soweit, nach jahrelangen Proben und endlosen Besetzungswechseln schaffte das experimentierfreudige Team ums Landgericht Berlin den Sprung aufs Theaterparkett. Dieses Stück ist eine schwierige Geburt mit einer lebendigen Chronik.

- "Kamera Arschloch - DIE I. Instanz" (Sommer 2006) -

Nachdem einige Akteure mit zerschmetternder Kritik auf die schnöde Verurteilung in "Kamera-Arschloch - DIE I. Instanz" reagierten und eine Berufung für das Stück einforderten, lief mit einer deutlichen Weiterentwicklung das Vorspiel "DIE II. Instanz a-dur", dieses Versprach mehr.

- "DIE II. Instanz a-dur"(Frühjahr 2007) -

Die Rolle des Angeklagten forderte den autoritären Richter Kiworr am Landgericht mit dem mehrmaligen Stellen von Anträgen heraus, Kiworr konterte mit einschüchternden Kommentierungen und versöhnendem Gut-Vater-Ton, dieser verlief jedoch ins Leere.

Es folgte ein Befreiungsschlag des Hochstuhlsitzenden, der Angeklagte sollte sich vom medizinischen Sachverständigen am Krankenhaus des Maßregelvollzugs untersuchen lassen. Das Publikum wurde gekonnt überrascht, erwartete es doch eine Verhandlungen der Sache "Beleidigung" des Polizeibeamten Breninek, mit den Worten "Kamera-Arschloch" durch eine "als Pony verkleideten Person" während der Demo "Das Leben ist kein Ponyhof" (August 2005).

- Die Hängematte -

Die am Landgericht ansässigen Macherinnen dieses fulminanten Überraschungsaustiegs, gönnten sich eine 1 1/2 jährige Pause, selbst der Angeklagte wurde zu keiner Tat veranlasst, ein Arztbesuch hinter den Kulissen fand nicht statt.

- Die verlängerte Hängematte -

Eine erste Ankündigung des Termins im Mai 2008, war eine überraschende Werbestrategie des Marketing-Teams des Landgerichts, das große Getöse um die Absage des Termins sorgte für eine Public Relation die nur wenige Stücke für eine Terminverschiebung bisher erhielten.

- Finale Grande - DIE II. Instanz (Mo. 30.Juni.2008 um 11:15) -

Der Spannungsbogen arbeitet auf einen überraschenden Schluß hin, die Richterrolle wurde neu besetzt, zusätzliche Statisten haben sich angekündigt.

Das aufmerksame Publikum stellt die einfache Frage: "Soll am Ende doch nur die Verurteilung stehen?!". Der werte Zuschauer wird nach Gerüchten in einen Raum des Zweifelns und Nachdenkens versetzt und dort darf er dann auch bleiben. Dieses Stück sorgt nach Veranstalterangaben noch Stunden nach der Aufführung für anregende Gespräche, bevor es wieder durch den verregelten Alltag abgelöst wird.

Die Rollen:

Der Angeklagte
Der Pflichverteidiger
Der Richter und große Mediator "Holldorf"
Die Staatsanwaltschaft
Die Kollegen des Abschnitts A33
Die Kollegen des LKA 63 und ihre Abgesannten
Der "Giftzwerg"
Der Zeuge POM Breninek
Der Zeuge POM Ponikau
Das "Viedeoband"
DU und DU und DU, das Trio aus dem Publikum.

Wann und Wo?

>>> Mo. 30.Juni.2008 um 11:15
>>> Ort: Landgericht, Turmstr. 91 (Moabit), Saal 704.
>>> Aktenzeichen: 273 Cs 61/06.
>>> Eingangsperformance und Kontrollen: Die Justizbeamten

Regie und Rückmeldungen: keinponyhof@gmx.net

Kritiken:

"Faszinierendes Schauspiel, faszinierende Kulisse, die Details stimmten, selbst die Saalwahl fiel auf einen der älteren Kaisersäale und nicht auf einen der `demokratischeren` Säale aus den 60igern, damit Entsprach der Ort der Aufführung den feudalistischen Ständeordnungen am Gericht." (Herbert Feng Shui, Raumausstatter)

"Großartig, dieses Stück versucht selbst den moderatesten Richter vom erhobenen Richterstuhl zu versetzen." (Onlinemagazin: HDBS - HöchstDichterliche RechtsBrechung im Strafrecht)

Rückblick auf "DIE II. Instanz a-dur" (Frühjahr 2007)´

indymedia, Berlin, 19.03.07 :
"Kamera! Arschloch!"-Prozess

http://de.indymedia.org/2007/03/171351.shtml