Entwurf für Heterotopien zum Lernen

Aus Bildungswiki

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von J.E. Mensch


Lernen kann ein begeisternder Vorgang sein, in dem mensch die Welt durch die jeweiligen Tätigkeiten bildet: Philosophieren lernt mensch durch das philosophieren, Bauen durch bauen, Lieben durch lieben und geliebt werden, Lernen durch lernen und lehren. Bildung als immer weiter gehendes Geschehen enthält mehr als nur die Summe von Belehrung, Lernen und Wissen.

Stadt, Park, Straße, Haus, Werkstatt, usw. können Orte urbanes Lernens sein: Das kann mit der Schaffung dezentraler Lernorte einhergehen (Archive, Büchereien, Offene Universitäten, Schreib-, Kunst- und Leseräume, Seminarhäuser, Projektwerkstätten, Traumschulen und noch vieles mehr). Es wären offene Räume der Zusammenarbeit beim Forschen, Lernen, Schaffen und Spielen, gestaltet durch ihre Bewohner- und NutzerInnen. Dort sind dann alle notwendigen Werkzeuge und Materialien bei der Hand. In Ihnen können selbstorganisierte Wissenserweiterung und Projekte sogleich Gestalt annehmen. Aber sie können auch zur Muße einladen, so dienen sie den Menschen, um den Kairos abzuwarten für neue spannende Bildungsvorgänge. Sie sind ein fester und zentraler Teil von Kommunen. Bei der Gestaltung seines „Alltagslebens“ kann mensch problemorientiert, spielerisch und am Nachhaltigsten lernen.

Wahrnehmen, entdecken, erkennen, erfahren im Umgang mit den Phänomenen ermöglichen: Menschen können an solchen Orten je handgreifliche, nicht nur virtuelle Erfahrungen machen. Sie sind neugierig auf die Welt. Das verlernen sie häufig in der Schule, oder an anderen institutionalisierten Lernorten, durch Belehrung, Besserwisserei, Herumsitzen und Zensur. „Erwachsene“ (auch die Lehrenden) können sich angehalten fühlen ihre Neugier gegenüber aufschlussreichen Phänomenen aus erster Hand wieder zu entdecken.

Freude am eigenen Tun spüren, statt Angst und Druck empfinden: Angst und Streß machen dumm und unlustig. Spaß muß nicht sein. Aber ohne Lust an der eigenen sinnvollen Tätigkeit (z.B. in gemeinsamen, nach außen wirksamen Projekten), kann Lernen kaum (dauerhaft) gelingen. Wer Freude am eigenen Tun verspürt, agiert gegen die Gleichgültigkeit, die durch langweiliges „Lernen um-zu“ oder das Konsumieren von Programmen entsteht.

Ausdrücken ersetzt Eindrücken: Gegen die Einseitigkeit des Eindrucks, des Abfüllens mit abfragbaren Wissensbrocken, steht das Ein- und Ausdrücken der Gestaltung. Freies Schaffen von Werken ist für alle möglich. Alle Sinne lassen sich wecken und ansprechen. Mensch lernt vielfältig wenn mensch die Welt wahrnimmt und sich frei ausdrücken kann. Es geht um tätiges Sein und nicht nur ums Machen zum Haben (E. Fromm).

Vielfalt fördern statt Einfalt fordern: Differenz ist die Voraussetzung des Lernens. Jedes Lernen ist Veränderung im Umgang mit Fremdem. Identität und Distanz gehören zusammen. Wer nur sich selber kennt, kennt auch sich nicht richtig. Heterogenität, Altersmischung und bunte Vielfalt schaffen bunte Möglichkeiten.

Fähigkeiten erkennen statt Defizite nur diagnostizieren: Erworbenen Fähigkeiten sind die Grundlagen von Wissen. Mit alten Erfahrungen, Werkzeugen und Begriffen entsteht das Neue. Vielfältigkeit kann mensch aufbauen und errichten, statt abrichten und unterrichten. Lehrpläne und „BildungsexpertInnen“ gehen meist von herbeifabulierten Defiziten der Menschen aus. Potenzen werden eifrig von ihnen ignoriert und entwertet.

Vertrauen üben: Vertrauen ist die Voraussetzung von Selbstvertrauen. Selbstvertrauen und Mut braucht mensch in der Begegnung mit Neuem, Fremden, also auch mit den Gegenständen des Forschens und Lernens. In einem emanzipatorischen, offenen Lernansatz geht es um eine Praxis möglicher Freiheit. Kontrolle wirkt als Aufforderung zum Widerstand gegen Autoritäten und Herrschaft.

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