Academic Squatting

Aus Bildungswiki

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Das ist möglich, aber du musst was dafür tun.


In Zeiten intensiver politischer Betätigung lernt manch eine_r mehr als in dem fleißigsten Semester, dummerweise werden ihr diese Lernerfolge von keiner Prufungsordnung quittiert.

Dabei schreien einige Seminare geradezu danach, dass du sie dem Streik widmest: So könnte zum Beispiel aus dem fiktiven Projekttutorium "Bildungspolitik" eine Protest-Politisierungsgruppe werden, die es sich zur Aufgabe macht, kreative Äußerungsformen für Demos zu entwickeln oder die Besetzung eines Gebäudes vorzubereiten oder durch Lehrveranstaltungen zu ziehen und den Studierenden dort Zeit zum Nachdenken und Diskutieren zu verschaffen... Der Kreativität sind hier wirklich keine Grenzen gesetzt.

Sich die Lehrveranstaltung anzueignen, wo es nur geht, ist ja jederzeit wünschenswert: den Semesterplan mitzugestalten und Platz für eigene Themen auszuhandeln, gesellschaftliche Bezüge herauszuarbeiten, und Ergebnisse nach Außen zu tragen, statt in einer Hausarbeit stranden zu lassen, die grad mal die Dozent_in liest.

In Protestzeiten beschäftigen dich plötzlich ganz andere Fragen, als die vom Seminarplan vorgesehenen, aber du kannst an vielen Stellen Verknüpfungen herstellen – dann musst du nur noch die Dozent_in und Mitstudierenden davon überzeugen, welchen Erkenntnisgewinn es verspricht.

Grundsätzlich ist diese Aneignung von Lehrveranstaltungen überall denkbar - auch von solchen aus dem "normalen" Betrieb; Projektwerkstätten, Projekttutorien und dem Energieseminar sind gute Ansprechstellen; Welche Veranstaltung lassen sich für deinen Wahlbereich (sofern vorhanden) anrechnen und welche Seminarverantwortliche könnten Offenheit für ganzheitliche Lernformen zeigen?

Wichtig ist, gleich zu Semesterbeginn eine Übereinstimmung unter allen Teilnehmenden einer Veranstaltung herzustellen, ob und in welcher Form diese auch Protestcharakter hat.

Es wird also schon beim ersten Termin notwendig sein, dass du oder ein_e Mitstreitende_r die Frage stellt, wer Lust hätte, in der Veranstaltung über die kommenden Proteste zu sprechen und sich in irgend einer Form gemeinsam daran zu beteiligen. Um Erfolg zu haben solltest du den Anbieter_innen der Veranstaltung vorher ankündigen, dass du ca. eine Viertelstunde Zeit für diese Entscheidungsfindung benötigst. Um es in der Diskussion leichter zu haben, könntest du dich auch mit Freund_innen und Bekannten darauf vorbereiten. Je mehr Leute in einem Seminar Motivation für ein solches Projekt zeigen, desto höher die Chancen, dass die Veranstalter_in sich auf das Experiment einlässt. Aber bedenkt: Die anderen Teilnehmer_innen platt zu diskutieren, bringt oft nur schlechte Stimmung und jedenfalls keinen Konsens! Eine positive Grundhaltung zu verbreiten kann hingegen Wunder wirken.

Klärt also gemeinsam: mit wie viel Interesse an Protest, an den angekündigten Seminarinhalten, an den leidigen anerkannten Studienleistungen könnt oder müsst ihr rechnen? Lässt sich das Seminar/die Veranstaltung so organisieren, dass niemand unter den Tisch fällt?

Und auch wenn deine politische Agenda sich mit dem Seminarthema nicht für die Allgemeinheit vereinbaren lässt, so wäre keine_r geschadet, wenn du dein selbstdefiniertes Projekt im Rahmen des Seminars verfolgst – und am Ende alle ihre Scheine und sonstige Leistungspunkte bekommen.

Bleibt, dass politisches Engagement Zeit bedeutet, und in den meisten Fällen wird ein Teil dieser Zeit von der Studienzeit abgehen. Academic Squatting ist daher kein 100prozentiger Ausweg aus dem Dilemma „politische Aktivität oder Studienleitung“, aber es erweitert den Entscheidungsspielraum spürbar und verknüpft endlich wieder mal das universitäre Lernen mit dem echten Leben. Mal was anderes ;-)


--- Die Anbieter_innen der folgenden Seminare bereit erklärt, ihre Veranstaltungen den Protesten und ihrer Vorbereitung zu öffnen:


Weitere Seminare werden im Bildungsstreik-wiki nachgetragen, Stichwort "Academic Squatting"

_http://www.bildungsstreik-berlin.de/wiki/index.php?title=Bildungsstreik-Glossar_
(User: bildungs Passwort: streik)


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